about Augenmädchen/ von Augenmädchen

Kerstin Lichtblau
kontakt@kerstin-lichtblau.de
Augenmädchen: Text Dr. Carsten D. Siebert
(Für die deutsche Version bitte nach unten scrollen)

Heimat in Vielfalt 120 cm x 180 cm

In creating her so-called Augenmädchen („big-eyed girls“) Kerstin Lichtblau has succeeded in inverting the relationship between the beholder and the picture. When looking at works of art, this interactive relationship is typically designed such that the beholder standing in front of the picture will look at the latter. However, in the case of Kerstin Lichtblau’s works, the roles have been reversed: with their huge expressive eyes, the Augenmädchen are watching those in front of the picture, they are watching us. Thanks to this deliberate reversal of the direction of looking, the artist makes it quite clear that the process of studying an art work always is, or should be, a dialogue between the artist behind the picture and the recipient in front of it. Kerstin Lichtblau’s Augenmädchen are inquisitively watching the beholder– and the latter responds. This also implies that the person looking at the picture will learn something about the mood he or she is in while watching (and being watched). To a certain extent, the pictures are holding a mirror up to the beholder.

The artist paints her pictures on canvas using oil or acrylic paint, at times also using mixed media. A number of her paintings are characterised by a monochrome background. However, there are others where sprayed fractal-type patterns give the pictures a certain dreamy atmosphere. More recent works, carried out as silk-screen prints at Lichtblau’s own gold factory, are set against architectural backgrounds using symbols such as the Frankfurt Technical Town Hall (now demolished). Furthermore, there are oil paintings combined with newspaper clippings as in a collage. Kerstin Lichtblau sometimes also mingles different styles of painting where Augenmädchen may be accompanied by naughty comic-strip characters that give the motif a certain buoyancy. The characters may appear in the form of animals with an emblematic dimension: pandas, rabbits, fishes, or eagles.

The basic Augenmädchen character was developed by Kerstin Lichtblau over the course of five years, and has taken root in Frankfurt, where the artist lives and works, and beyond. Her works are highly recognisable: whoever has seen some of her pictures, will be able to attribute them to the artist without the slightest doubt. The fact that Kerstin Lichtblau has succeeded in creating this remarkable recognition value, especially in a time when our heads are filled to overflowing with images, not only from the art market, makes her and her works of art stand out.

Frankfurt am Main, February 2011

Dr. Carsten D. Siebert

Translation: Jutta Ziegler M. A.


Augenmädchen
: Text Dr. Carsten D. Siebert
Kerstin Lichtblau hat es mit ihren Augenmädchen geschafft, die Beziehung zwischen Betrachter und Bild zu vertauschen. Diese wechselseitige Beziehung ist in der Bildbetrachtung üblicherweise so angelegt, dass der Betrachter vor dem Bild stehend dieses anschaut. Bei den Bildern von Kerstin Lichtblau verhält es sich jedoch umgekehrt, die Augenmädchen betrachten mit ihren großen
ausdrucksstarken Augen diejenigen, die vor dem Bild stehen, nämlich uns. Durch diese bewusste Umkehrung der Betrachtungsrichtung erreicht die Künstlerin, dass auf sehr eindringliche Art und Weise klar gemacht wird, dass Bildbetrachtung immer ein Dialog zwischen dem Künstler hinter dem Bild und dem Kunstrezipienten vor dem Bild ist. Die Augenmädchen von Kerstin Lichtblau schauen den Betrachter fragend an – und dieser antwortet. Dabei ist es durchaus so, dass der Betrachter etwas über seine eigene Stimmung, mit der er dem Bild gegenüber tritt, erfährt. Die Bilder halten dem Betrachter sozusagen einen Spiegel vor, in dem er sich ein Stück weit wiederfindet.

Die Künstlerin malt ihre Bilder auf Leinwand in Öl und Acryl, verwendet aber auch Mischtechniken. Bei vielen ihrer Bilder ist der Hintergrund monochrom gehalten, manchmal jedoch werden auch fraktalartige, gesprühte Muster gewählt, die den Bildern etwas Verträumtes beimischen. In neueren Arbeiten wählt sie darüber hinaus als Hintergründe architektonische Symbole, wie das technische Rathaus von Frankfurt, das als Siebdruck in ihrer gold factory entstanden ist. Darüber hinaus gibt es auch Ölbilder, in die nach Art einer Collage Zeitungsausschnitte eingebunden werden. Zum Teil treffen auch sehr verschiedene Malstile aufeinander, so erscheinen neben den Augenmädchen freche Comic-artige Wesen, die den Bildern eine gewisse Leichtigkeit einhauchen. Diese Wesen zeigen Tiere, die symbolisch besetzt sind: Pandabären, Hasen, Fische oder Adler.

Die grundlegende Figur der Augenmädchen wurde über einen Zeitraum von fünf Jahren geschaffen und hat sich über die Grenzen von Frankfurt, wo die Künstlerin lebt und arbeitet, etabliert. Die Bilder von Kerstin Lichtblau haben einen hohen Wiedererkennungswert und wer einmal Werke von ihr gesehen hat, wird sie ohne Zweifel der Künstlerin zuordnen können. Dass dies in einer Zeit, in der nicht nur auf dem Kunstmarkt die Bilderflut groß ist, gelingt, zeichnet die Städelschülerin und ihre Kunst aus.

Frankfurt/M., im Februar 2011

Dr. Carsten D. Siebert